reife Tomaten

„Wie in Sizilien“ rief meine italienische Nachbarin lachend, als sie mich zu sich unter das Garagendach lockte, damit ich einen Blick in diesen riesigen Topf werfen konnte. Dieser Topf, den sie mit einem überdimensionierten Löffel seit über zwei Stunden bearbeitete und in dem die Tomatensoße für den gesamten Winter vor sich hin kochte. Stolz stand ihr Mann daneben und hörte zu, wie sie mir die Enstehung erzählte, von dem Reifen der 55 Kilo Tomaten, über das Zerkleinern, würzen, bis zu diesem Rühren und dann das Einmachen, um es auch im Winter gut zu haben. Der Mann, mit den Worten, besser als aus der Dose, brauchte mich nicht mehr zu überzeugen, denn schon der Geruch des kochenden Tomatenbreis, der seinen Duft in die Strasse verteilte und der mir schon beim Öffnen meiner Tür in der Nase lag, bedurfte keines weiteren Kommentars.

Und plötzlich war mir das Konzert der wundervollen Etta Scollo, die sich der Erforschung der traditionellen sizilianischen Musik und Lyrik verschrieben hat, aus der letzten Woche in Braunschweig wieder gegenwärtig, die, wenn sie auf die Frage woher sie kommt antwortet, immer nur von der Mafia hört. Eine Mafia, die allgegenwärtig ist, leise und unterwandernd und nicht mehr nur in Italien. Wie sagte Etta Scollo so schön, es wird Zeit, dass auf die Herkunftsfrage und die folgende Antwort ein Leuchten in den Augen des Fragenden erscheint: „Ah, Sizilien, da gibt es doch diese wunderbaren Orangen und die schönen Frauen“ und natürlich wunderbare Musik.

Ne schöne Jrooß

Das wievielte Mal stehe ich inmitten dieser Menschen, die voller Vorfreude ausgerichtet auf die Bühne schauen? Gleich erscheint sie, die Kapelle aus Köln, die mich seit annähernd 30 Jahren durchs Leben begleitet. So wie viele um mich herum ist der Auftritt von BAP mit dem kölschen Barden Wolfgang Niedecken ein Muss. Auch wenn die Jahre an uns allen nicht spurlos vorbei gegangen sind und auch der eine oder andere nicht mehr dabei ist, haben sich die Zeiten seit Verdamp lang her thematisch nicht verändert, die tägliche Kristallnaach allgegenwärtig.

Und dann geht es los, rockiger, härter als die letzten Male. Ne schöne Jrooß ahn all die, die unfählbar sinn, aus vielen Kehlen, mehr gegrölt als gesungen, kommt immer noch gut. Die neuen Stücke der Radio Pandora Plaat, bilden den Rahmen für einen wunderschönen Abend, der von aussen betrachtet vielleicht nostalgisch verklärt wirkt, der mich, ausgespuckt aus der Halle, aber lächelnd und gewappnet in den Alltag entläßt.

Was fehlte an diesem Abend ist der Zigarettenqualm, der sich sonst wie ein dichter Nebel über die Köpfe legte und die Illumination unterstützte. Doch eigentlich bin ich recht froh, dass das schrumpfende, ausgegrenzte Völkchen der Raucher sich mittlerweile spaßend vor den Eingängen trifft.

Giora Feidman und Matthias Eisenberg

„From Classic To Klezmer – Part II“

Am Ende dieses fantastischen unplugged Konzertes mit Klarinette und Orgel in der St. Marienkirche in Isenbüttel, nahm sich Giora Feidman ein Mikrofon und sprach noch einige bewegende Worte.

Er werde oft gefragt warum er in so kleinen, schmalen und kalten Kirchen seine fantastische Musik spiele, wo er doch auch in Berlin in der Philharmonie und in Tokio spiele. Er antwortet darauf, dass er diese Frage nicht verstehen würde, da er für die Menschen spielt und das es ihm wichtig ist, auch als Jude in einer deutschen Kirche unabhängig von der Religion spielen zu können. 

Er kann nicht verstehen, warum es noch über 20 Kriege überall auf der Welt gibt. Warum noch Menschen getötet werden, um Konflikte lösen zu wollen und dass es für ihn, nachdem er über 50 Jahre in Israel lebt, nicht nachvollziehbar ist, was dort zur Zeit passiert.

Nach diesen Worten spielte er, durch den Mittelgang gehend, noch ein kleines Lied aus Versatzstücken deutscher, israelischer und pälästinensischer Melodien, bevor er uns nachdenklich in die kalte, frostige Nacht entließ.

Wechselzeit

Das aus dem Kölschen eingehochdeutschte Jraaduss der Kölner Kapelle BAP, das mir als Titelgeber für meine bisherigen Newsletter und Veröffentlichungen diente, werde ich mit Beginn des neuen Jahres durch veitraum ablösen.

Am 26. August 1986 bei der Veröffentlichung des Albums für ussgeschnigge findet sich neben dem oben erwähnten Lied, in dem Lied Fuhl am Strand  die Textzeile „Äh, Vorbild dank dir schön, ich jläuv, ich kriej’et langsam selver hin.“.

Ein Vorbild wird hierbei von mir allerdings nicht in die Wüste entlassen. Hier bestand immer das Gefühl einer Wesensverwandschaft und so ist die Kapelle mir in all den Jahren ein lieber Weggefährte geblieben. Die Konzerte immer noch ein Muss und im März 2009 sind sie wieder in der Gegend und wir werden gemeinsam (Kapelle und Publikum) das Wiedersehen feiern.

let the dance begin

tanz-der-birken

Das Trägermaterial ist ausgewählt. Ich habe mich für eine starke Konstruktionspappe entschieden, die gut zu den Entwürfen passt. Die Vorarbeiten zum  Aufziehen sind bereits so weit voran geschritten, dass ich mich nach dem Trocknen der Farbe daran machen kann.

Der „Tanz der Birken“ wird zu „dance on a volcano“ von Genesis, obwohl ich eine CD von Taj Mahal beim Arbeiten aufgelegt habe. Aber vielleicht grabe ich beim nächsten Arbeitsschritt nach dem Album „A Trick of the Tail“ aus dem Jahr 1976, dass das erste Album nach Peter Gabriel war. Doch das ist eigentlich eine andere Geschichte.

Inspiration

Wieder einmal im Auto auf der Autobahn schießt mir ein Satz durch den Kopf, den ich vor einigen Wochen in einem Roman gefunden habe, der einem bekannten Künstler zugeschrieben wird, dessen Name mir wieder entfallen ist: „Der Amateur sucht nach Inspiration, ich mache mich an die Arbeit“.

Kann der gute Mann (der Ausspruch wirkt männlich) aus seinem Elfenbeinturm heraus ohne jeglichen Anstoß von aussen Arbeiten schaffen, die mehr als seine Qualität als Handwerker bezeugen? Fliegen ihm durch eine Heerschar Assistenten die Ideen zu, die er dann in seiner Arbeit auswertet und zur Ausführung wieder denselben übergibt?

Egal wie die imaginären Antworten ausfallen. Nach meiner Meinung benötigt jeder eine wie auch immer geartete Inspiration, egal aus welchem vermeintlichen Status heraus er sich an seine Arbeit begibt.

Aus dem Auto gestiegen, ist haben die Geschäfte bereits geschlossen. Die Dämmerung ist der Dunkelheit gewichen. Trotzdem ist die Schalterhalle einer Bank in Braunschweig prall gefüllt mit Stimmengewirr und der Vorfreude auf einen Konzertabend mit Perkussion. Die Musiker-Initiative Braunschweig  hat eingeladen und Herman Kathan’s Busch-Werk spielt auf, begleitet von den Gästen Trilok Gurtu aus Indien, Famoudou Konaté aus Guinea, Jonas Hellborg aus Schweden und Nippy Noya aus Indonesien, einen Meilenstein der Perkussions-Geschichte, wie es in der Ankündigung hieß.

 Inspirieriert von der Musik der Welt und der Lebensräume der Protagonisten wird ein Klangraum geschaffen, der selbst für mich als Wenigkenner dieser Musik erkennen läßt, dass hier wahre Meister am Werk sind. Meine Begeister- und Bewunderung für diese wundervollen Musiker läßt sich nicht in Worte fassen.

Einfach wirken lassen, mehr nicht.