Nachhall Dialoge 09

Bis auf das Lichtband im Boden bleibt der Sternensaal unbeleuchtet. Das Lichtband läuft an den Rundungen der Wand entlang und leuchtet durch ein Sternengitter, so dass die Holzvertäfelung darüber matt beleuchtet wird. Licht fällt auch durch die offene Tür, die  zum westlichen Kunstkammersaal führt, in dem die weißgewandete Junko Wada ihren einsamen, meditativen Tanz vollführt.

Im Raum auf dem Boden sitzend, hält mich der Tanz von Nicola Mascia und Takako Suzuki gefangen. Dicht, zum Greifen nahe die Bewegungen der Tänzer verfolgend, die sich im Raum verorten. Das Atmen, die Schritte hören. Im richtigen Moment dem Tanzweg ausweichen. Auf diese Weise eins werden zu einem Gesamtbild, das sich einprägt.

Das gesamte Haus erfüllt von Menschen, von Bewegung, von spürbarer Magie durch die Jahrhunderte, die die erwarteten Exponate des Ägyptischen Museums mit dem noch leeren, renovierten Haus des Neuen Museums in Berlin und mit den Menschen in den Räumen verbindet.

Sasha Waltz hat es wieder geschafft, mich mit ihren Gästen und ihrer neuen Produktion DIALOGE 09 auf dem ehemaligen Transitweg nach Berlin zu locken, zu begeistern, mit kreativer Energie aufzuladen und mich dann auf den sternenklaren Rückweg in den Frühlingsanfang zu entlassen.

Ein andauernder Nachhall ist zu erwarten, der mir in den hoffentlich unerwartesten Momenten Inspirationsspitzen verpassen wird.

Arbeitsruhe

Den letztmöglichen Moment zur Arbeitsaufnahme abpassen, dann wird es gut, aber auch immer etwas hektisch.

Die Unterlagen für einen weiteren Wettbewerb sind zusammengestellt und abgegeben. Erst einmal Zeit in ein kleines Loch zu fallen, die die vorangegane Hektik ausgleicht, um für die nächsten Aufgaben gerüstet zu sein, die die nächsten 14 Tage füllen werden.

Die Erstellung einer Präsentation für eine mögliche Installation in einer tunnelähnlichen Unterführung unter einem Kanal, der täglich von Tausenden von Personen frequentiert wird, die Vorbereitung von Arbeiten für einen Kunstmarkt und der Besuch einer Galerie in Berlin (vielleicht wird eine Ausstellung draus), stehen bevor.

Die positiven Ausgänge werde ich hier gebührend feiern, alles andere findet seinen Niederschlag in sofortiger Mißachtung (nach kurzem Blick ob erkannbar ist, worin die Ablehnung liegen könnte).

noBody

Transit nach Westberlin. Viel besungen, mir fallen von den vielen schnell 3 Namen ein, Klaus Lage, der zu einem Konzert aus Berlin zu spät kam, BAP, die ihre Konzerttournee abgesagt hatten, Udo Lindenberg, mit seinem Sonderzug nach Pankow. Eigene Erinnerungen mischen sich mit hinein, André Hellers Feuertheater am 7. Juli 1984. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, ja auch „Heroes“ von David Bowie kommen noch dazu.

Danach noch oft gefahren, jetzt wieder. Dreispurig auf der A7. An den LKWs vorbei, die die rechte Spur Richtung Osten belegen. Einfach fahren, grenzenlos.

Ziel, Schaubühne. Endlich ein Tanzstück von Sasha Waltz sehen. Sprachlos sitzen, die 90 Minuten ziehen wie im Flug vorbei. Grandioser Applaus für ein grandioses Stück Tanztheater. Am Schluss der Blick in die strahlenden Gesichter der Tänzer, geschafft, der Lohn für die Anstrengung. Applaus, der nicht enden möchte. Berlin, eine Reise wert, gerade heute.

Die Schaubühne der richtige Ort für diese Stücke, die hier entstanden sind. Der Bühnenraum aus nacktem Beton, der Boden auf der Höhe, auf dem die Tribüne für die Zuschauer erwächst. Blick auf die Schritte, die Füße, die Choreographie.

Noch einen kleinen Kaffee vor der Rückfahrt. Mit der U-Bahn zum Auto, raus aus der Stadt, Transit.